Der Blog ist tot, es lebe der Blog

Niemand hat jemals diesen Blog gelesen und niemand wird jemals diesen Blog lesen. Bloggen ist out, falls es überhaupt je in war. Genau genommen ist dieser Blog also genauso geheim, wie jedes Tagebuch, dass ich mit mir rumschleppen würde, nur eben digital. Und da mir zurzeit wirklich, wirklich jemand fehlt, mit dem ich mich über die diversesten Themen austauschen kann, bleibt bei diesem Blog immerhin der kleine Funke Hoffnung, dass doch irgendein Mensch da draußen hierrüber stolpert und Lust hat, mitzuphilosophieren. Immerhin verlassen die Gedanken dann schon einmal meinen Kopf und sind für immer, oder zumindest solang Google und seine Server oder mein Account existieren, konserviert.

Diese Frage beschäftigt mich tatsächlich immer mal wieder: Welches Medium ist in unserer Zeit am besten dafür geeignet, Informationen zu erhalten? Die Informationen, die die Ägypter in Stein gemeißelt haben, bestehen bis heute; zugegeben auch durch die guten klimatischen Bedingungen, die die Verwitterung des Steines über die Jahrhunderte verhindert haben. Papier ist viel anfälliger für die Zersetzung, wohingegen polymerverstärkte Fasern, wie die dieser Unkaputtbar-Bücher für Babys vermutlich weniger Gefahr laufen zu verwittern. Doch ein Feuer würde Stein besser überstehen als ein Unkaputtbar-Buch. Und auch wenn es jetzt so scheint, als würde das Internet nie vergessen, ist es doch als Trägermedium für Informationen, die Jahrtausende überdauern können sollen ungeeignet, denn das Internet ist nicht physisch und so stark abhängig von den technischen Errungenschaften unserer Zeit.

Vielleicht gefällt mir deshalb der Anime Dr. Stone so gut, weil zumindest die ersten beiden Staffeln einem sehr klar vor Augen führen, wie viel Wissenschaft hinter den Dingen steckt, die wir heute wie selbstverständlich täglich verwenden.

Aber zurück zum Blog, seien wir ehrlich, das, was ich schreibe, ist vermutlich genauso wenig wert konserviert zu werden, wie die unzähligen Stories/Shorts/Clips, die millionenfach über Instagram, YouTube und TikTok ins Internet geschwemmt werden. In dreißig Jahren weiß niemand mehr, was diese Portale überhaupt sind. Kein Mensch spricht mehr von ICQ, selbst Skype ist tot und so werden irgendwann auch Google, Facebook und X sterben und mit ihnen, all das, was die aktuell lebenden Generationen durch sie verbreiten.

Doch welche Informationen sind es denn Wert, konserviert zu werden? Und welches Trägermedium ist nun das Beste? Der Wert der Informationen liegt in der Intension des Senders an den Empfänger. Die Frage ist also eigentlich welche Information ist so wichtig, dass der Empfänger sie unbedingt erhalten sollte und wer ist der Empfänger in tausenden von Jahren? Im Falle der Datenplatten der Voyager-Sonden soll der Empfänger außerirdisches, intelligentes Leben sein und der Voyager Golden Record beinhaltet unter anderem Informationen (Bild- und Audio-Daten) zum menschlichen Leben auf der Erde und wo die Erde im Universum zu finden ist. Und wie der Name schon verrät, wurde als Trägermedium in diesem Fall eine goldbeschichtete Scheibe aus Kupfer gewählt. Als Edelmetall ist Gold wenig reaktiv, daher ergibt die Wahl des Materials vermutlich Sinn. Aber mich würde schon mal interessieren, warum sich die Forscher gerade für Gold entschieden haben.

Wenn ich aus dem Stehgreif ein Trägermedium wählen müsste, würde ich mich vermutlich für einen Diamanten entscheiden. Hoher Schmelzpunkt, eines der härtesten Mineralien auf unseren Planeten und mal abgesehen von seiner leichten Löslichkeit in Metallschmelzen nahezu inert. Aber was wäre mir so wichtig, dass ich es in einen Diamanten konservieren wollen würde?

Ich persönlich würde wahrscheinlich versuchen Informationen über eine meiner Lieblingswildbienen zu verewigen. Wir Menschen hinterlassen genug Spuren auf der Erde, da braucht es die Beschreibung des Lebens eines Menschen nicht, aber diese Wildbiene wird sehr wahrscheinlich irgendwann aussterben und anders als bei Dinosaurierknochen bleibt von ihr nichts zurück, was in tausenden von Jahren von intelligenten Wesen archäologisch erforscht werden könnte.

Und ganz allgemein wäre es vielleicht  sinnvoll nachkommende Generation auf lebensbedrohliche Gefahren, die noch weit hinaus über mehrere Generation menschlichen Lebens bestehen, hinzuweisen und das möglichst nicht mit einem Schild, dass nach 50 Jahren bis zur Unkenntlichkeit verwittert ist. Ich denke da zum Beispiel an Endlager für radioaktives Material oder auch Asbest-Vorkommen. Auch hier stelle ich mir eine Art Warninformation vor, die vielleicht in den Diamanten graviert ist und durch natürliches Sonnenlicht auf eine gut sichtbare Stelle projiziert wird.

Das alles ist natürlich jetzt nicht komplett durchdacht und hat noch viele logische Schwachstellen, aber gerade geht es ja auch nur darum, welche Information und welches mögliche Trägermedium sich für eine zu konservierende Information eignen könnten.

Mein Blog muss in jedem Fall nicht wirklich konserviert werden. Im Moment reicht es mir schon endlich mal wieder ein wenig schriftlich mit mir selbst zu philosophieren.

Vielleicht bis bald.

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