Vom Allein-glücklich-sein
„Jeder ist seines Glückes Schmied“, „Mach dein Glück nicht von anderen abhängig“ oder der neuste Glücksspruch in meiner Sammlung (diesmal aus einem Glückskeks) „Das Glück deines Lebens hängt von der Beschaffenheit deiner Gedanken ab.“ und in jedem dieser Sprüche mag auch eine Wahrheit verborgen liegen, doch ist Ihnen allen gemein, dass sie Glück als persönliches Gut definieren.
Wir empfinden „Glück“, wenn unser Körper Endorphine
ausstößt, doch was diesen Hormonausstoß verursacht und wie hoch dieser ist,
lässt sich höchstens in Kategorien clustern, bleibt aber letztendlich
individuell. Und ich möchte mit diesem Beitrag auch nicht auf die Biochemie
hinter dem Glück hinaus.
Ich glaube nicht daran, dass ich allein glücklich sein kann,
oder sagen wir vielmehr nicht so glücklich, wie es ich sein könnte, mit anderen
Menschen zusammen. Denn Freude, die ich beispielsweise empfinde, wenn mir etwas
zum ersten Mal gelingt oder ich etwas Schönes sehe, dass mich emotional berührt,
dann ist das ein Moment, der verblasst, je weniger ich an ihn denke. Ich kann
versuchen diesem Moment festzuhalten, indem ich ihn dokumentiere, zum Beispiel in
Form eines Fotos oder Videos oder ich schreibe ihn auf. Dann kann ich diesen Moment
immer wieder nachempfinden und selbst dann wird er nicht so intensiv sein, wie er
war, als ich ihn erlebt habe. Doch ist es nicht viel mehr so, dass wir dieses
Festhalten der Momente sehr oft machen, indem wir anderen davon erzählen und
auf eine ähnliche Reaktion hoffen und ist es nicht auch so, dass wir uns in
solchen Momenten manchmal andere Menschen wünschen, die unsere Emotion widerspiegeln,
ja vielleicht sogar potenzieren? Diese Momente werden dann zu gemeinsamen Erinnerungen
und wo zwei oder mehr Gehirne diese Momente archivieren, ist der Prozess des
Verblassens langsamer und viel mehr noch, dass gemeinsame Nachempfinden dieser Momente
frischt das Glück auf, weil wir uns über die Reaktion des Menschen über diese
Erinnerungen freuen.
Was wir nicht wollen – und ich glaube, deshalb steckt auch
ein wenig Wahrheit in den eingangs erwähnten Glückssprüchen – ist, uns das
Glück, dass wir für eine Sache empfinden durch die Reaktion anderer kaputt
machen zu lassen. Weil sie nicht dieselbe Freude für das empfinden, was uns
erfreut oder sich nicht die Zeit nehmen, darauf einzugehen. Weil sie vielleicht
zu sehr mit sich beschäftigt sind. Und so etwas erleben wir leider auch immer
wieder und das schon im frühsten Kindesalter. Denn wie gesagt, Glück ist
letzten Endes sehr individuell und wenn ich es als Kind zum ersten Mal schaffe,
etwas allein zu machen und diese Freunde darüber mit zum Beispiel meinen Eltern
teilen möchte, dann erhoffe ich mir natürlich Bestätigung und nicht ein
beiläufiges „Ja, schön“ oder vielleicht sogar eine ironische Bemerkung wie „Wow,
du hast die Falsche allein aufbekommen, dann kannst du ja jetzt Barkeeper
werden.“ Je öfter uns die Reaktionen anderer auf Dinge, die uns begeistern enttäuschen,
um so weniger sind wir vermutlich bereit, unser Glück zu teilen und kommen zur Ansicht,
dass wir allein glücklich sein müssen.
Doch auch wenn du es nicht wahrhaben möchtest, wir Menschen
sind soziale Wesen und als solche auf die Interaktion mit anderen Menschen
angewiesen. Und genauso wie du nicht möchtest, dass man dir deine Freude
verdirbt, verdirb sie nicht anderen. Hör den Menschen um dich herum zu. Du
musst dich nicht für alles, was sie freut, begeistern, doch tu ihre Freude
nicht als belanglos ab und belehr sie nicht wie sie es besser machen könnten,
nur weil es für dich nichts Besonderes mehr ist. Doch am allerwenigsten
solltest du dich über den Gegenstand ihrer Freude lustig machen, denn das sind
die Momente in denen Worte mehr verletzen als Taten.
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