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Von den Grenzen der eigenen Wahrnehmung

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Warum fällt es mir so schwer zu akzeptieren, dass Menschen manchmal nicht so sind, wie ich glaube, dass sie sind? Ähnlich wie ich mich selbst und die Natur um mich herum versuche zu analysieren und zu ergründen, versuche ich es auch mit anderen Menschen. Allerdings können wir nur das analysieren, was wir sehen. Je weniger Informationen wir über etwas haben, um so größer der Möglichkeitsraum in der sich die Wahrheit befindet. Mit den uns zur Verfügung stehenden Datenpunkten, erschaffen wir Abbildungen einer Realität. Wenn wir nur eine kleine Menge an Datenpunkten haben, aber ein großes Bedürfnis, das Modell so ausführlich wie möglich zu erstellen tendieren wir dazu die Lücken in unseren Modellen mit uns bekannten Informationen zu füttern. Wir erkennen Muster und ordnen diese uns bekannten Gruppen zu. Je mehr Muster und Gruppen wir kennen, um so schwieriger können wir mit wenig Daten konkrete Abbildungen erstellen. Ein einfaches Beispiel dazu: Stell dir vor, du müsstest anhand von einer ...

Von Fürsorge und Übergriffigkeit

In dem Buch „Vergeude keine Krise“ gibt es den Abschnitt „Kümmerer erzeugen Verkümmerte“. Dieser Abschnitt hat mich ziemlich getroffen. Ich habe beim Lesen erkannt, dass ich ganz oft in meinen zwischenmenschlichen Beziehungen die Rolle derjenigen einnehme, die sich kümmert. Weil es mir leichtfällt, weil ich vermeintlich Zeit genug dafür habe und weil es mir ganz oft auch einfach ein gutes Gefühl gibt – gebraucht zu werden, nützlich zu sein, sinnstiftend. Vielleicht auch – und diese Erkenntnis finde ich ebenso erschreckend – weil ich dann die Fäden in der Hand halte und vermeintlich die Kontrolle über das Ergebnis bekomme. Das Sich-um-etwas-oder-jemanden-kümmern ist dabei auch gar nicht das eigentliche Problem, sondern in seiner Grundhaltung sehr sozial. Doch wann ist Fürsorge übergriffig? Wenn ich selbst etwas als ein Problem identifizieren kann, dann bin ich auch in der Lage über die Lösung dieses Problems nachzudenken. Ob ich allerdings an der Lösung des Problems arbeite, ist mei...

Von den Grenzen anderer

Manche Sätze bleiben hängen. Nicht weil sie neu oder besonders kreativ wären, sondern weil sie mich dazu bringen, über sie nachzudenken. Seit gut einem Jahr hängt eine illustrierte Karte an der Pinnwand, über meinem Schreibtisch, auf der folgender Spruch steht: „Wenn jemand dir sagt, das geht nicht, dann sind das seine Grenzen, nicht deine!“ Dieser Satz ist für mich ein Über-jemands-Grenzen-nachdenken. Warum lasse ich mich so schnell davon überzeugen, dass ich etwas nicht kann, wenn jemand anderes mir sagt „Das geht nicht“? Ist es meine eigene Unsicherheit oder Vertrauen in die Einschätzung der Person über meine Fähigkeiten? Warum beziehe ich „Das geht nicht“ denn überhaupt auf mich? Viele Grenzen hätte ich nicht gehabt, wenn ich die Aussage hinter dem Satz nicht als allgemeine Wahrheit, sondern als Grenze der Person, die vor mir steht, erkannt hätte. Doch nicht jede fremde Grenze muss auch meiner eigenen entsprechen. Und was spricht denn dagegen etwas einfach mal zu probieren, b...

Von Wegweisern

„Es war einmal ein Mädchen, das kam an eine Gabelung und wusste nicht mehr, wohin es gehen sollte. Es verharrte und schaute sich suchend um. Sein Blick fiel auf ein glänzendes Schild in der Mitte der Gabelung, in dem es sich beinahe spiegeln konnte. Es klebten allerhand Zettel an diesem Wegweiser, die dem Mädchen mehr Informationen über die beiden Wege verrieten, aber auch von spannenden Impulsen, in denen sich das Mädchen wiederfand, die es aufgriff und die seine Vorstellung von dem Weg, den es gehen wollte, formten. Das Mädchen gewöhnte sich so schnell an den Wegweiser und so beschloss es, ihn mitzunehmen. Doch konnte es ihn nicht tragen und so standen beide regungslos an der Gabelung. Wollte das Mädchen nicht auch erstarren, so musste es gehen.“ Nicht alle Menschen sind dazu bestimmt, uns auf unserem Weg zu begleiten. Doch als Wegweiser stellen sie eine besondere Bedeutung für unsere Entwicklung dar, wenn wir sie als solche erkennen. Wegweiser stehen nicht still, nur in Relation...

Von verlorengegangener Nähe

„Wann hat sich eigentlich alles so verändert?“ fragt mich meine Mutter, als ich zu Besuch bin, einfach so, ohne Anlass. „Früher ist viel öfter einfach mal so jemand vorbeigekommen oder wir sind einfach mal so drauflosgefahren und haben Bekannte besucht. Heute würde man das nicht mehr tun. Aber ich muss auch gestehen, wenn jetzt einfach so jemand vorbeikommen würde, würde ich mich unwohl fühlen. Und ich habe auch immer das Gefühl, ich würde andere ohne Ankündigung meines Besuchs stören. Es hat ja auch irgendwie jeder immer mit sich zu tun und keine Zeit mehr für andere.“ Die Worte meiner Mutter hallen noch eine ganze Weile in mir nach und verbinden sich in meinem Kopf mit einem Gedanken, den ich aufgegriffen habe, als ich versuchte zu verstehen, warum es mir eigentlich so wichtig ist, schöne Dinge, die ich erlebe, in meinem Status bei Sozial Media zu teilen. Ich tue das, weil ich diese Dinge mit Menschen teilen möchte, die mir wichtig sind, damit sie teilhaben können an meinem Leben, au...

Von künstlicher Intelligenz und menschlichem Mitgefühl

Während die Modelle zur künstlichen Intelligenz immer besser werden, scheint uns Menschen unsere Zwischenmenschlichkeit immer mehr abhanden zu kommen. Und so stellt sich mir die Frage, wie weit ist künstliche Intelligenz noch von einem Bewusstsein entfernt? Und basiert dieses Bewusstsein dann auf unseren menschlichen Schwächen oder wird die Künstliche Intelligenz dann zu einem besseren Menschen? Künstliche Intelligenz (KI) ist mittlerweile überall und nicht mehr nur ein witziges Spielzeug. KI-Modelle wie Midjourney zeichnen Bilder, und ChatGPT, Gemini oder Grok nehmen uns das Recherchieren und Schreiben ab und dringen immer weiter in alle unsere Lebensbereiche vor. Und auf der einen Seite macht mir das sehr viel Hoffnung, weil KI mir aus einem Meer von Informationen gezielt, die liefern kann, die ich als Grundlage für meine eigene Arbeit benötige. Doch der Großteil für den KI schon jetzt verwendet wird, macht mir ehrlich Angst. Sozialmedia wird überschwemmt von KI-generierten Bildern...

Von der Einsamkeit

Hast du dich schon einmal einsam gefühlt? Wir können „umgeben“ sein von Menschen und uns trotzdem schrecklich einsam fühlen. Die Gründe für diese Einsamkeit können vielfältig sein. Und Einsamkeit scheint gesellschaftlich zurzeit auch ein immer größer werdendes Thema zu sein. Einsamkeit definiert jeder Mensch vermutlich ein wenig anders, je nachdem in welchem Aspekt er sich allein (gelassen) fühlt. Für mich bedeutet Einsamkeit die Isolation von Menschen, zu denen ich ein tiefes emotionales Band geknüpft habe. Und die Gründe für das Empfinden dieser Isolation sind genauso individuell, wie das Empfinden von Schmerz bei jedem von uns individuell ist. Ich glaube mittlerweile, dass ich sehr sensible bin und Situationen, die andere als weniger schlimm empfinden, sehr viel stärker wahrnehme. Ich will versuchen etwas besser zu erläutern, was ich mit Isolation meine. Ein Beispiel für das größtmögliche Maß an Isolation, ist für mich der Tod eines geliebten Menschen, denn der Tod ist eine im L...