Von Wegweisern
„Es war einmal ein Mädchen, das kam an eine Gabelung und
wusste nicht mehr, wohin es gehen sollte. Es verharrte und schaute sich suchend
um. Sein Blick fiel auf ein glänzendes Schild in der Mitte der Gabelung, in dem
es sich beinahe spiegeln konnte. Es klebten allerhand Zettel an diesem
Wegweiser, die dem Mädchen mehr Informationen über die beiden Wege verrieten,
aber auch von spannenden Impulsen, in denen sich das Mädchen wiederfand, die es
aufgriff und die seine Vorstellung von dem Weg, den es gehen wollte, formten.
Das Mädchen gewöhnte sich so schnell an den Wegweiser und so beschloss es, ihn
mitzunehmen. Doch konnte es ihn nicht tragen und so standen beide regungslos an
der Gabelung. Wollte das Mädchen nicht auch erstarren, so musste es gehen.“
Nicht alle Menschen sind dazu bestimmt, uns auf unserem Weg
zu begleiten. Doch als Wegweiser stellen sie eine besondere Bedeutung für
unsere Entwicklung dar, wenn wir sie als solche erkennen.
Wegweiser stehen nicht still, nur in Relation zu uns, weil
sie ein anderes, ihnen eigenes, Tempo besitzen. Jeder Mensch hat seinen eigenen
Weg und sein eigenes Tempo und dieses Tempo muss auch nicht immer gleich
schnell oder gleich langsam bleiben. Die Anpassung des Tempos darf jedoch nicht
dazu führen, dass wir uns verlieren und das Tragen eines anderen Menschen darf
nicht dazu führen, dass wir selbst stehenbleiben.
Wegweiser machen genau das, was ihr Name verrät, sie weisen
uns den Weg an Stellen in unserem Leben, an denen wir Orientierung benötigen,
nicht den Wegweiser selbst. Und das macht es uns so schwer sie als solche zu
erkennen. Wir müssen erst begreifen, dass wir die Orientierung durch sie und
nicht sie selbst brauchten, denn sonst machen wir uns von einem Menschen oder
viel mehr von der Idee dieses Menschen abhängig, in der Hoffnung der Wegweiser
würde uns lenken und nicht unsere eigenen Füße.
Bewegung entsteht stets von innen. Sie lässt sich nicht erzwingen
– auch nicht durch Nähe, Hoffnung oder Projektion. Wegweiser dürfen zu Weggefährten
werden, wenn sie sich selbst tragen können doch sie dürfen auch Wegweiser
bleiben. Ihre Funktion ist nicht Nähe, sondern Klärung.
Wegweiser begegnen uns oft dort, wo ein Mangel sichtbar wird
und wir uns dafür sensibilisieren diesen zu kompensieren. Doch nicht der Wegweiser,
sondern die Erkenntnis des Mangels, ist Triebkraft unserer Entwicklung. Wir
bestimmen selbst, wohin wir uns entwickeln - ob wir an der Beseitigung des Mangels
arbeiten oder den Weg ändern.
Nicht jede Person, die einen Mangel sichtbar macht, ist deshalb gleich ein Weggefährte, oft ist sie ein Wegweiser. Und auch das genügt.
Kommentare
Kommentar veröffentlichen