Von den Grenzen anderer

Manche Sätze bleiben hängen. Nicht weil sie neu oder besonders kreativ wären, sondern weil sie mich dazu bringen, über sie nachzudenken. Seit gut einem Jahr hängt eine illustrierte Karte an der Pinnwand, über meinem Schreibtisch, auf der folgender Spruch steht:

„Wenn jemand dir sagt, das geht nicht, dann sind das seine Grenzen, nicht deine!“

Dieser Satz ist für mich ein Über-jemands-Grenzen-nachdenken. Warum lasse ich mich so schnell davon überzeugen, dass ich etwas nicht kann, wenn jemand anderes mir sagt „Das geht nicht“? Ist es meine eigene Unsicherheit oder Vertrauen in die Einschätzung der Person über meine Fähigkeiten?

Warum beziehe ich „Das geht nicht“ denn überhaupt auf mich? Viele Grenzen hätte ich nicht gehabt, wenn ich die Aussage hinter dem Satz nicht als allgemeine Wahrheit, sondern als Grenze der Person, die vor mir steht, erkannt hätte. Doch nicht jede fremde Grenze muss auch meiner eigenen entsprechen. Und was spricht denn dagegen etwas einfach mal zu probieren, bevor man aufgibt und seine Welt ein kleines Stück kleiner macht, als sie sein müsste?

Doch wie gehe ich mit den Grenzen, die nicht meine sind, um? Nur weil eine Grenze für mich nicht real ist, darf ich sie jemand anderem nicht absprechen. Jeder Mensch hat seine eigenen Grenzen. Ich muss diese respektieren und ihnen nicht mit Spot oder Hohn begegnen. Es liegt nicht in meiner Verantwortung die Grenzen eines anderen Menschen in Richtung meiner zu verschieben.

Vielleicht geht es weniger darum, Grenzen zu akzeptieren oder sie zu überschreiben, als mehr darum zu erkennen in wessen Grenzen ich gerade lebe.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Der Blog ist tot, es lebe der Blog

Von meinem Versuch der Liebe auf die Spur zu kommen

Von verlorengegangener Nähe