Von den Grenzen der eigenen Wahrnehmung
Warum fällt es mir so schwer zu akzeptieren, dass Menschen manchmal nicht so sind, wie ich glaube, dass sie sind? Ähnlich wie ich mich selbst und die Natur um mich herum versuche zu analysieren und zu ergründen, versuche ich es auch mit anderen Menschen. Allerdings können wir nur das analysieren, was wir sehen. Je weniger Informationen wir über etwas haben, um so größer der Möglichkeitsraum in der sich die Wahrheit befindet. Mit den uns zur Verfügung stehenden Datenpunkten, erschaffen wir Abbildungen einer Realität. Wenn wir nur eine kleine Menge an Datenpunkten haben, aber ein großes Bedürfnis, das Modell so ausführlich wie möglich zu erstellen tendieren wir dazu die Lücken in unseren Modellen mit uns bekannten Informationen zu füttern. Wir erkennen Muster und ordnen diese uns bekannten Gruppen zu. Je mehr Muster und Gruppen wir kennen, um so schwieriger können wir mit wenig Daten konkrete Abbildungen erstellen.
Ein einfaches Beispiel dazu: Stell dir vor, du müsstest anhand von einer 2D-Aufnahme auf das zugehörige 3D-Modell schließen. Das Verfahren zur Erstellung des 2D-Modells liefert uns einen Schnitt durch eine der drei Ebenen (XY, XZ, YZ) des 3D-Modells. Wir bekommen folgende 2D-Aufnahme aus der untersten XY-Ebene:
einen Schnitt durch die vorderste XZ-Ebene:
und einen Schnitt durch die seitliche YZ-Ebene:
Bei dem 3D-Modell scheint es sich um einen Quader zu handeln, oder?
Vielleicht sind Schnitte gar nicht das beste Verfahren unser 3D-Modell mit Hilfe von 2D-Aufnahmen zu beleuchten. Vielleicht wäre es viel aufschlussreicher sich die Summe aller Schnitte einer Ebene vorzustellen, wie eine Art Schatten oder sogar eine perspektivische Abbildung, wie diese:
Wie ein Quader sieht das 3D-Modell jetzt nicht mehr aus. Doch es ist egal, wie gut die Verfahren sind, um das eigentliche 3D-Modell in 2D abzubilden. Aus der zweiten Dimension heraus, werden wir niemals die reale Komplexität des 3D-Modells erfassen können.
Warum also glauben wir, andere Menschen in ihrer kompletten Komplexität begreifen zu können? Wir leben in einer Welt aus drei Dimensionen, und nehmen mit den uns zur Verfügung stehenden Sinnen drei Dimensionen wahr. Wir besitzen die Fähigkeit eine Vorstellung von Zeit zu haben und ein Gedächtnis, das uns diese zeitliche Dimension greifbarer macht. Doch kein Mensch lebt exakt das gleiche Leben eines anderen Menschen. Kein Mensch begleitet uns unser gesamtes Leben lang und macht die gleichen Erfahrungen. Je länger wir mit einem Menschen Zeit zusammen verbringen, um so besser lernen wir ihn kennen und verfeinern unsere Abbildung dieses Menschen in unserem Kopf. Doch letztendlich bleiben es Abbildungen und je schlechter unser Verständnis über die Generierungsmethode, um so ungenauer das Abbild. Selbst mit guten Methoden, basierend auf psychologischem und neurologischem Wissen, bleiben wir in zwischenmenschlichen Beziehungen davon abhängig, genügend Informationen für unsere Abbildungsgenerierung zu bekommen. Jemand der nichts über sich Preis gibt, muss damit umgehen können, in Schubladen gesteckt zu werden. Andererseits wird ein Mensch, der viel von sich Preis gibt, trotzdem leicht in Schubladen gesteckt, weil alles andere zu viel Energie kostet.
Schubladendenken ist menschlich, nur sind die Schubladen nicht dafür geeignet einen Menschen wirklich zu verstehen und durch das kleine Beispiel mit der Statue fällt es mir leichter das zu akzeptieren. Vielleicht schaffe ich es irgendwann meine Schubladen zumindest einen Spalt weit offen zu lassen.




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