Wieder schreiben?


Kann man das Schreiben verlernen? Manchmal glaube ich, ich habe es verlernt, dieses Schreiben wie ich es vor meiner Zeit als „Journalistin“ für unsere Studentenzeitung getan habe. Dabei sollte dieser Blog eigentlich ein Neuanfang werden, nachdem mein alter Blog zur Internet-Leiche mutiert ist (Memo an mich: Vergiss niemals dein Passwort, wenn du nur eine Trash-Mail-Adresse in deinem Account angegeben hast, an die du irgendwann nicht mehr rankommst, weil du auch deren Login-Daten vergessen hast). Nun ist er bis auf ein paar Fotos immer noch leer.

Vielleicht habe ich mich auch einfach nur in meinen Pseudo-Künstler-Identitäten für all die Dinge, die ich gerne täte und wäre verloren und ich frag mich, wann das eigentlich angefangen hat. Wenn ich etwas schreibe oder zeichne, wieso nicht unter meinem richtigen Namen? Muss ich es denn verstecken? Möchte ich nicht eh, dass man auch diese sensible, manchmal tiefgründige oder provokante und nachdenkliche Seite von mir kennt? Wieso sonst würde ich sie überhaupt veröffentlichen? Ich bin kein Schriftsteller und kein Künstler und selbst wenn, wozu die Pseudonyme? Vielleicht damit Google nicht weiß wer ich bin? Schon ein bisschen lächerlich, genaugenommen, denn A. interessiert sich nicht Google für mich, sondern höchstens potenzielle später Arbeitgeber und B. könnte jeder mit nur ein wenig Verstand auf die Idee kommen, Bilder, Inhalte und Freunde/Follower zu vergleichen, wenn er wollte und das würde auch zu ein und derselben Person führen, wenn auch etwas komplizierter.

Vielleicht ist es aber auch einfach nur die Angst, dass das was ich schreibe oder zeichne nicht gut genug ist oder das es mir negativ ausgelegt werden könnte, weil dann keine Wand der Anonymität mehr vor dem steht, was ich wirklich denke, keine Fassade, keine Mauer. Was wenn ich mich irre, mit dem was ich schreibe? Hab ich nicht schon oft genug zu impulsiv hinter einer Meinung gestanden, die ich dann am Ende nicht mehr wirklich vertreten konnte, weil ich nur die Hälfte der Fakten betrachtet hatte? Abraham Lincoln sagte einst: „Better to remain silent and to be thought a fool than to speak out and remove all doubt“. Habe ich Angst davor jeden Zweifel an meiner Dummheit zu verwischen? Doch wie kommuniziert man, wenn man niemanden mehr teilhaben lässt an seinem Wesen? Wenn man nur noch unverfängliche, neutrale Dinge veröffentlicht, mit viel Spielraum für Interpretationen, auf die einen niemand festnageln kann.

Vielleicht habe ich auch einfach nur ungeheuren Respekt vor der Macht des Internets. Veröffentlicht ist veröffentlicht und wie heißt es so schön: Das Internet vergisst nie. Verglichen mit der realen Welt da draußen ist es verhältnismäßig einfach seine Dummheit an virtuelle Wände zu plakatieren und es wie ein Lauffeuer zu verbreiten. Wenn sie einen dann wieder einholt, wünschte man sich man hätte geschwiegen. Und da sind wir wieder beim Pseudonym; wenn niemand ad hoc weiß, wer diese vermeintliche Dummheit verbreitet hat, was hat man dann zu verlieren?

Vielleicht ist es die Mitte aus Reden und Schweigen, die vergoldet gehört. Und der Bedacht der Tragweite öffentlicher Äußerungen die Ablösung unsinniger Pseudonyme. Werde ich meinen Namen jetzt ändern? Ich glaube, ich probier erst einmal keine Dummheiten zu schreiben, wo mich der Drang zum Bloggen jetzt wieder überwältigt hat.

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