Von der Suche nach sich selbst

 Es erscheint mir nur natürlich, dass wir uns, unser Sein und unser Zusammenleben mit anderen und in einer Gesellschaft von Zeit zu Zeit in Frage stellen. Nämlich genau dann, wenn nicht alles harmonisch und rund läuft und so wie wir dachten, dass es laufen müsste. Unser angestrebte Zustandsidealbild ist wie alles andere auch geprägt von unserem Vorwissen, welches auch durch unsere Erziehung, durch die Menschen um uns herum und unsere Gesellschaft entsteht. Erst wenn wir dieses Idealbild nicht erreichen können, fangen wir an Fragen zu stellen. Vielleicht hinterfragen wir nur uns selbst: Warum bin ich anders? Warum bin ich nicht wie die anderen? Vielleicht hinterfragen wir aber auch unsere Mitmenschen: Warum ist er oder sie anders? Warum sind die anderen gegen mich? Oder wir hinterfragen sogar die Gesellschaft, in der wir leben: Warum ist die Gesellschaft so wie sie ist? Warum schließt die Gesellschaft mich aus?

Welche Fragen wir uns stellen, hängt von unserer inneren Reife im Bezug auf die Abweichung vom Idealbild ab und wie weit wir mit unserem Denken diesbezüglich sind. Dieses Denken kann sich entwickeln, wenn wir bereit sind uns zu öffnen und nachzuforschen. Es kann aber basierend auf unserer Grundhaltung auch stagnieren. Ein Mensch, der fragt „Warum bin ich anders?“ neigt tendenziell eher dazu den Grund der Abweichung bei sich zu suchen, ein Mensch, der hingegen fragt „Warum sind die anderen gegen mich?“ sucht den Grund eher bei anderen oder im Falle der Frage nach „Warum schließt die Gesellschaft mich aus?“ bei der Gesellschaft, in der er lebt. Auf diese Art von Fragen gibt es eine Menge Antworten, die genauso individuell sind, wie der Mensch, der die Frage gestellt hat. Für mich liegt das Entwickeln und Erkennen hinter den individuellen Antworten. Für mich sind die meisten Antworten nur der Beginn neuer Fragen und dabei versuche ich so offen wie mir möglich an die Beantwortung dieser Fragen heranzugehen.

Ich bin kein Psychologe und auch kein Philosoph. Im Grunde meines Herzens bin ich Wissenschaftlerin, die versucht über Philosophie mit Fantasie an neues Wissen zu gelangen. Eines meiner Lieblingszitate stammt von Albert Einstein: „Fantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.“

Ich vertrete die Meinung, dass jeder Mensch alles lernen kann und wir uns nur darin unterscheiden, wie schwer es uns fällt etwas zu lernen, worin unsere individuellen Talente liegen und wie schnell wir bereit sind aufzugeben oder uns motivieren zu lassen.

Und nur, wenn ich bereit bin zu akzeptieren, dass mein Wissen begrenzt ist, kann ich mich auch entwickeln durch das Lernen. Ich glaube auch nicht, dass ich jemals einen Punkt erreicht haben werde, an dem ich sagen kann, ich weiß jetzt genug.

Vermutlich werde ich mein Leben lang auf der Suche nach mir selbst und meinem Platz in dieser oder einer anderen Gesellschaft sein.

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