Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt!
Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt! Das gilt für ziemlich vieles im Leben. Denn letztendlich lässt sich irgendwie nichts wirklich planen. Klar, kann man, wenn man sehr strebsam ist, jedes Ziel erreichen, aber ab und an ergeben sich aus dem Nichts neue Gelegenheiten, die alte Pläne dann plötzlich über den Haufen werfen. Begünstigt wird sowas bei mir immer ziemlich gut durch Reisen. Denn auf Reisen gibt es so viele neue Eindrücke zu erleben, dass sich mal eben alles auf den Kopf stellen lassen kann. Vor nicht einmal zwei Monaten habe ich in meinem Blog noch sehr verliebt vom Portugiesischen geschwärmt. Dass ich den Klang der portugiesischen Worte immer noch wunderschön finde, hat sich auch nicht geändert, aber was lerne ich jetzt? Spanisch. Knapp daneben! Dabei hatte ich das gar nicht beabsichtigt. Ursprünglich dachte ich, ist so ein Strandurlaub genau für vier Dinge hervorragend geeignet: Baden, Braun werden, Lesen und Lernen, wofür man sonst keine Zeit hat, so wie Portugiesisch per App.
Aber nun saß ich also in Torremolinos und das erste, was mir auffiel, war, dass man hier selbst mit Englisch nur relativ schlecht zurechtkam - Deutsch hatte ich ja gar nicht erwartet, das tue ich eigentlich nie, denn Torremolinos ist vor allem Urlaubsort für spanische Familien, musste ich feststellen. Und in einem Land zu sein, ohne die Sprache zu können, isoliert ungemein, was perfekt für Menschen ist, die eh ihre Ruhe haben wollen, aber eben nicht für mich. Ich musste mir also etwas einfallen lassen und das Naheliegendste in diesem Fall war, die Sprache zu lernen. Das erste, was ich also am nächsten Morgen machte, während der allgemeine Urlauber noch schlief, war, mir eine Stunde Hotel-WLAN zu kaufen und so viele Spanisch-Apps zu laden, wie möglich und sinnvoll. Am liebsten hätte ich mir auch noch ein Wörterbuch besorgt, aber dafür hat mein iTunes-Guthaben nicht mehr ausgereicht. Und ich dachte mir, wozu gibt es "SayHi" oder den Google-Übersetzer; so einzelne Worte bekommen die auch hin.
Den Rest der Stunde, um die zwei investierten Euro nicht zu vergeuden, habe ich dann telefonierend verbracht, per VPN-Tunnel auf unsere Fritz.Box - echt praktisch im Ausland, besonders, wenn man kostenlosen WLAN-Zugang hat, wie überall in den Motels in den USA. Aber das nur am Rande, zurück zum Spanisch. Nun hatte ich also diese Spanisch-Apps und die Motivation zumindest bis Ende der Woche einigermaßen zu verstehen, was Menschen in Cafés von mir wollen, damit nicht immer dieses peinliche Sprachbarriereschweigen entsteht.
Im Moliere Playa, meiner Urlaubslieblingsstrandbar, wo die Strandliegen für den ganzen Tag mit Sonnenschirm nur einen Euro gekostet haben, kommt morgens immer einer der Barjungs mit ein paar Exemplaren der regionalen spanischen Zeitung "SUR - El periódico de Málaga desde 1937" (www.sur.es) vorbei, die er dann unter den Gästen verteilt.
Ich witterte meine übermotivierte Chance und ergriff sie. Im Englischunterricht meinte unser Lehrer schließlich auch immer: "Wenn man die Sprache wirklich lernen will, muss man anfangen, die Zeitung zu lesen!". Gut, dass ein gewisser Grundwortschatz dafür von Vorteil sein durfte, war mir bewusst, aber ich war auch neugierig, wie viel ich verstand, allein durch Ableitung ähnlicher Worte. Nach der Titelseite beschloss ich etwas mürrisch, doch erst einmal mit dem Garfield-Comic auf der Rückseite anzufangen. Ha, "niños", das wusste ich, das heißt "Kinder", denn das hatte ich schon im Hotel aufgeschnappt. Aber irgendwie erschloss sich mir nicht so ganz der Witz. Ungefähr zu dem Zeitpunkt muss dann auch der Barjunge wieder vorbeigekomme sein und hat mich neugierig auf Spanisch-Englisch gefragt, ob ich die Zeitung mit meinem Handy übersetze. Ich versuchte ihm zu zeigen, dass auf meinem Handy nur mein Spanisch-Lernapp war, aber für den Rest der Woche war ich für ihn wohl nur noch die irre Touristin, die mit ihrem Handy die Spanischen Lokal-Nachrichten übersetzt.
Die Pons-Sprachlernapps gefallen mir eigentlich ziemlich gut, weil sie mit dem für eine Sprache zum Einstieg wesentlichen Grundlagen anfangen. Das ist sowohl beim Portugiesisch-App als auch beim Spanisch-App so. Zudem sind sie mit fünf beziehungsweise drei Euro echt verdammt günstig. Als Urlaubsunterstützung sind sie aber leider eher weniger geeignet. Dafür fehlt die Übersichtlichkeit beim schnellen Raussuchen von Formulierungen, wie man sie im Urlaub echt gut gebrauchen könnte. Ich habe mir dann einfach ein kleines Heft angelegt mit Sätzen, die ich aus dem App gelernt habe und die ich vielleicht noch gebrauchen konnte. Nach einer Woche Urlaub konnte ich dann natürlich immer noch kein Spanisch, aber immerhin zum Kaffeebestellen reichte es am Ende, auch wenn die spanischen Zahlen für die Preise immer noch in meinen Ohren als unverständlich klingeln. Man braucht halt mehr als eine Woche, um sich auf eine neue Sprache einzustellen.
An meinem letzten Tag im Moliere Playa saß ich dann mit meinem kleinen Heft voll mit spanischen Sätzen am Tresen und hab versucht, etwas von dem anzuwenden, was ich gelernt hatte. Natürlich reichte es nicht für ein richtiges Gespräch mit meinem Lieblingsbarkeeper, aber wozu gibt es denn lustige Übersetzungsapps, die kaum, wird es etwas komplizierter und wenn mehr als zwei Sprachen im Spiel sind, alles verdrehen, was man eigentlich sagen will. Zumindest gab es dann viel zu lachen. Der Barjunge mit den Zeitungen erzählt dem Rest der Belegschaft dann noch, dass ich die spanische Zeitung immer mit meinem Handy übersetzen würde und fragte mich, welche Sprache ich zeitungstechnisch bräuchte, da teilweise auch die Lokalnachrichten in anderen Sprachen erschienen und geliefert wurden. Englisch sei es aber heute nicht. Aber siehe da, die Ausgabe gab es heute auf Deutsch. Volltreffer! Ich freute mich ein wenig und wollte mir dann eigentlich noch eine spanische Ausgabe geben lassen, um die beiden dann artikelweise miteinander zu vergleichen, aber es war der letzte Tag und ich kam bestimmt eh schon ziemlich verrückt daher, mit meinem Handy und dem Versuch, die spanische Zeitung lesen zu wollen. Also ließ ich das Ganze auf sich beruhen, genoss meinen "café con leche" und las die deutsche Ausgabe der SUR am Tresen. Und siehe da, wer lief mir dort wieder über den Weg, der Garfield-Comic vom Anfang der Woche, diesmal auf Deutsch.
Mein Fazit: Ein App ersetzt letztendlich keinen richtigen Sprachunterricht, so sprachbegabt bin ich dann auch einfach nicht. Und deshalb war mein erster Gang nach dem Urlaub zum Studierenden-Service-Center. Denn die Uni bietet ja kostenfreie Sprachkurse an, wieso also sollte man das nicht nutzen? Ein wenig betrübt war ich dann aber zu hören, dass die beiden Intensivkurse, die ich mir ausgeguckt hatte, schon ausgebucht waren. Es gibt eine Warteliste, auf der ich nun stehe und mit etwas Glück, werden aufgrund der großen Nachfrage noch weitere Intensivkurse angeboten. Somit heißt es jetzt aber erst einmal abwarten und Tee trinken. Solang kann ich ja auch immer noch mit meinem App ein wenig weiter herumspielen und die Dinge, die ich schon kann, festigen.
Update: Hab die Zeitungsscanns der Comics rausgenommen, weil ich mir echt nicht sicher bin, wie das rechtlich ist. Um euch den Comic aber nicht vorzuenthalten: http://www.garfield.com/comics/vault.html?yr=2012&addr=120410 (auf Englisch, man kann mit einem Button-Click aber auch die spanische Version sehen)
Update: Hab die Zeitungsscanns der Comics rausgenommen, weil ich mir echt nicht sicher bin, wie das rechtlich ist. Um euch den Comic aber nicht vorzuenthalten: http://www.garfield.com/comics/vault.html?yr=2012&addr=120410 (auf Englisch, man kann mit einem Button-Click aber auch die spanische Version sehen)
¡Le deseo mucha suerte! He oído, un opción para aprendamos español es http://duolingo.com.
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