Morgens in Torremolinos
Ich bin ganz allgemein kein großer Langschläfer, das ändert sich natürlich auch im Urlaub nicht. Und wenn ich wach bin, dann stehe ich auch um sechs oder sieben auf. Doch was macht man in einem Urlaubsort um diese Zeit, wenn normale Touristen noch schlafen? Ich jogge(h)! Im Allgemeinen bin ich auch kein großer Freund von Hotelurlauben, dafür bin ich zu neugierig. Ich möchte, wenn ich in einem anderen Land bin, Land und Leute kennenlernen, anders als der durchschnittliche Badeurlauber, der einfach nur seine Ruhe haben möchte. Umso spannender fand ich es dann auch, zu entdecken, was vor dem Erwachen der Touristen in Torremolinos so passiert. Eigentlich hätte mir ja klar sein sollen, dass gerade die Menschen, die dafür sorgen, dass der Gast sich wie ein König fühlt, um diese Uhrzeit schon auf Hochtouren arbeiten. Aber irgendwie war es das nicht und als ich mir vom Rezeptionsleiter der Nachtschicht bestätigt lassen habe, dass die Automatiktüren am Hintereingang schon auf sind, erschrecke ich etwas, beinahe in eine Putzfrau zu laufen, die damit beschäftig ist, jene Türen zu putzen. Ich entschuldige mich verlegen, "¡Perdón!", und sie lächelt und wünscht mir einen guten Morgen, "¡Buenos días!". Eigentlich bin ich morgens nur freundlichen Spaniern begegnet, aber das liegt vielleicht auch daran, dass ich schon von Weitem, mit meiner norddeutschen Bildschirmbräune, als Urlauber zu identifizieren bin.
Auf den Straßen ist es noch sehr ruhig. Nur ein paar Lieferfahrzeuge und dann und wann ein Streifenwagen, vielleicht auf der Suche nach Pärchen, die öffentliches Ärgernis am Strand erregen - hab mir sagen lassen, das wäre sehr teuer. Die Sonne ist noch nicht aufgegangen, aber es fängt schon an zu dämmern. Ein Obstverkäufer räumt seine Ware ein und in einigen Strandbars brennt bereits - oder immer noch - Licht und man sieht durch die großen einladenden Fensterscheiben den einen oder anderen sein Lokal wischen oder Stühle von den Tischen stellen. Draußen auf den kleinen Grünflächen zwischen Strand und Straße und in den Kreiseln sind die Sprinkler in vollem Gange. Ein Müllwagen fährt an mir vorbei und an der Promenade werden übrig gebliebene Getränkeflaschen von der letzten Nacht eingesammelt und Mülleimer geleert und neu betütet. Auch hier gibt es diese Straßenreinigungsautos mit den zwei großen Bürsten vorn am Wagen. Und ich glaube, dann habe ich noch Gärtner gesehen, aber die haben gerade eine kleine Pause gemacht, als ich an ihnen vorbeigelaufen bin.
An der Straße vor meiner Urlaubslieblingsstrandbar hält gerade einer der Getränkelieferwagen und ein Mann stapelt Kisten auf seine Kistenkarre. Wären nicht noch ein paar andere Jogger unterwegs, ich käme mir ziemlich nutzlos vor, so zwischen all diesen fleißigen Menschen. Auf meinem Rückweg versuch ich es mit dem norddeutschen Abnicken, wenn mir ein anderer Jogger entgegenkommt. Das scheint hier nicht üblich zu sein oder die Jogger sind zu verbissen. Die Sonne klettert langsam die Klippen bei Málaga empor und es verspricht wieder ein schöner, sommerlicher Tag zu werden. Nicht so drückend wie der Sommer in Texas, genau richtig für einen Urlaub und für das sommerliche Wohlgefühl warmer Sonne auf der Haut, das sich so anfühlt, als könnte es alle alltagsverschlissenen Akkus auf einen Schlag wieder aufladen. Die ersten Auflagen für die Strandliegen, wie es sie hier in jeder Strandbar gibt, werden hervorgekramt und zum Strand gebuckelt. In meiner Lieblingsstrandbar ist aber noch alles ruhig.
Nur ein paar junge Spanier, die die letzte Nacht wohl vergessen hat, sitzen auf den blanken Liegen aus der ersten Reihe vor den sich leise am Strand brechenden, verschlafenen Wasserwogen. Je näher ich zurück zum Hotel komme, umso lauter werden die Spatzen, die in irgendeinem Baum in der Nähe eine Morgenversammlung abzuhalten scheinen. Ich gehe auf leisen Sohlen durch die große Eingangshalle. Die Putzfrauen sind bereits weg und die Belegschaft der Rezeption hat gewechselt. Ich fahr mit dem Fahrstuhl bis in den zehnten Stock und versuche möglichst leise die knarrende Eingangstür unseres Hotelzimmers zu betätigen. Kurz ein paar Dehnungsübungen auf dem Balkon und den Sonnenaufgang noch etwas beobachten, dann ab unter die Dusche.




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