Mein Zwei-Man-Jogging-Wolfsrudel
Das Gute daran, auf dem Dorf aufzuwachen, ist, über mangelnde Jogging-Strecken kann man sich nicht beschweren, Wald und Wiesen überall. Deshalb ist etwas, das ich so gut wie immer dabei habe, wenn ich heimfahre, Sportzeug. Dann muss eigentlich nur noch das Wetter mitspielen. Gestern hat es so gut wie den ganzen Tag durchgeregnet und als zugegebener Schönwetter-Jogger verzichte ich gerne auf matschige Waldwege. Nachdem ich heute Morgen die Hoffnung beim Frühstück schon begraben wollte, heute noch eine Runde laufen zu können, weil sich eine fies und dunkel aussehende Wetterfront dem Dorf näherte, kam es dann aber nach einer Stunde doch noch anders. Ein großes Sonnenloch machte sich breit. Laufoutfit angezogen, Rexy, unseren Hund, an die Leine genommen, runtastic und Musik eingeschaltet und los. Dass ich weit entfernt von gut bin, ist mir schon klar – dafür müsste man auch mehr als nur einmal die Woche laufen gehen, aber so Anfänger-Fehler wie zu schnell loslaufen, müssten natürlich trotzdem nicht sein. Doch da war sie wieder meine Euphorie, das Kribbeln im Bauch, das Brennen in den Beinen und das Herzklopfen. Musik und Hund förderten den Blitzstart und so fegte ich mit durchschnittlich 11km/h die ersten 1000 Meter durchs Dorf – okay, Läufer schmunzeln jetzt und denken sich „wohl eher schlich“. Das kostet Energie. Und so war ich auf dem nächsten Kilometer erstmal damit beschäftigt, meinen Puls und meine Atmung wieder auf Jogging-Niveau zu bringen. Mittlerweile hatte ich schon Waldboden unter den Füßen. Ein Hund kommt natürlich nicht so schnell aus der Puste und so rannte Rexy fröhlich voraus, wieder zurück zu mir, hin und her. Wir waren zwar im Wald, aber für die Region leider prägend befanden wir uns tatsächlich auf einer Kreisstraße. Wenn man den Weg sieht, kann man das nicht wirklich glauben, höchstens erahnen am Schotter, der einmal im Jahr auf dem Weg verteilt wird und an den Begrenzungspfählen mitten im Nirgendwo zwischen zwei kleinen Wäldchen. Ab und an verirrt sich dann mal ein Navi-fehlgeleitetes Auto auf meine Joggingstrecke, aber im Großen und Ganzen ist man herrlich allein. Fast allein, denn Rexy ist ja immer dabei, mein vierbeiniger Bruder. Hunde sind echt tolle Joggingpartner, wenn vielleicht auch nicht für Anfänger. Wenn ich Hund sage, mein ich übrigens Rexy-spezifisch Labradormischling – das klingt netter als Mutter:Cockerspaniel/Labrador/Schäferhund/Dorfmischung/Vater:Gottweißwasdaallesdrinwar/Windhund und Labrador kommt auch am meisten durch. Nach vier Kilometern merkt man auch Rexy langsam an, dass er nicht jeden Tag Joggen geht, sondern eher gemütlich trottet, beim Gassi gehen mit meinem Vater. Auf unserem Rückweg laufen wir im Rudel, ein Zwei-Mann-Wolfsrudel, meistens rennt Rexy zwei Schritt vor mir, aber im selben Tempo, dann lässt er sich zurück in meinen Windschatten fallen. Zieh ich das Tempo an, zieht er mit und kurz bevor wir das Dorf wieder erreichen, noch ein kleiner Sprint. Nach 300 Metern werde ich pustend langsamer, Rexy läuft noch ein Stück, dreht sich dann zu mir um und lächelt sein hechelndes Hundelächeln. Heute Abend geht es wieder zurück nach Lübeck, ohne Rexy und ich muss wieder rudellos laufen, wenn ich denn laufe.
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