Von der nächtliche Stille und dem Sommerregenduft
Es ist Freitag, ein Uhr nachts, für mich eigentlich noch Donnerstag. Ich verabschiede mich von einer Freundin und trete durch die Haustür auf die Straße. Es hat geregnet und der milde, laue Duft von Sommerregen steigt mir in die Nase. Am ZOB wird gerade der Platz gereinigt. Der letzte Bus ist schon eine Weile weg, Lübeck eben. Ich bin mit dem Fahrrad gekommen und damit mache ich mich nun auch wieder auf den Heimweg. Je weiter ich mich vom ZOB entferne, um so leiser wird es um mich. Ich liebe diese Stille, die nur nachts in Lübeck herrschen kann. Platz zum Atmen, Raum zum Denken und um mich nichts als leere Straßen und die kleinen Geräusche, die man sonst kaum wahrnimmt: Der Luftzug durch die Speichen der Räder, das Knistern des Sands unter den Reifen und das Spritzen des nassen Asphalts mit aufgeheiztem Restwasser, das Quietschen der Jeans, wenn beim in die Pedale treten die Hose am Sattel entlang streift. Man könnte sich mitten auf die Kreuzungen legen, ohne überfahren zu werden und einfach nur die leichte Restwärme, die noch vom Boden aufsteigt, genießen. Je näher ich der Uni komme, um so widerstädtisch wird die Nacht. Auf den letzten Metern liefere ich mir ein Wettrennen mit den Hasen, die wohl auch die Menschenleere ausnutzen und durch den Park toben. Ich warte noch darauf, dass mir eines Nachts ein Fuchs über den Weg läuft. Mader und Hasen sind schon fast normal um diese Uhrzeit, aber trotzdem immer wieder schön. Weil wenn der Stress des menschlichen Alltags einer Stadt verklingt und alles ruht, fängt das schöne, das einfache und friedliche Leben an. Man muss sich nur die Zeit nehmen, ihm zu lauschen und zuzusehen.
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