Vom Karrieretag, einem Pinguin in der Wüste, Fußballkuchen und heimischen Erdbeeren


Da ein Blog ja eigentlich nichts anderes als ein Tagebuch fürs World Wide Web ist und ich es im Allgemeinen ja einfach nur für meine selbstanalytischen Philosophien, kreativen Ergüsse und Pseudo-Artikel missbrauche, jetzt mal ganz klassisch ein Wochenbericht, damit mein Blog sich auch als solcher schimpfen darf.

Dienstag war Karrieretag. Ich hatte mich bei meiner Betreuerin Montag gleich für den Folgetag abgemeldet und auch die Neuroinformatik-Vorlesung fiel meiner erneuten Lebenslauf-Verbesserung zum Opfer. Ein Freund hatte mir am Wochenende beim gemeinsamen Frühstück noch ein paar Tipps gegeben und so war ich gut vorbereitet und erwartete nun viel. Letzten Endes, soviel sei vorweggenommen, war der Karrieretag dann aber doch enttäuschend. Ich konnte mir zwar ein paar Informationen zu potentiellen regionalen Arbeitgebern holen, aber das, worauf es mir ankam, der Bewerbungsmappen-Check und der Workshop „Selbstbild-Fremdbild“, war ziemlich ernüchternd. Aus den mittelmäßig begeisterten Gesichtern um mich herum schloss ich: Es ging nicht nur mir so. Ein Stimmungsaufheller war aber definitiv die Versorgung der armen, hungrigen Studenten mit Wurst, Kuchen, Eis und Getränken. Mein Bewerbungsmappen-Check war aber kurzangebunden und endete genau genommen schon noch zwei Minuten mit dem Urteil „Gefällt mir sehr gut … vom Design“ und brachte inhaltlich absolut gar keine Ergebnisse für mich. Der Leiter des Workshops war dann zwar sehr nett und auch durchaus kompetent, aber ist einfach an meinen Erwartungen gescheitert. Obwohl ich mir im Nachhinein gar nicht mehr so sicher bin, ob ich ihn wirklich nett fand oder er einfach nur psychologisch taktisch gut auf uns eingewirkt hat. Denn Nimm2-geködert versprüht das Gehirn ja direkt mal Dopamin – den Trick sollte ich mir für mein Kolloquium merken. Von einem Workshop „Selbstbild-Fremdbild“ hatte ich mir eigentlich erwartet, Differenzen zwischen meiner Selbstwahrnehmung und dem Bild, was andere von mir haben, aufzudecken. Stattdessen gab es eine Art Definition von Selbstbild und Vorstellung von Modellen und den unglaublich neuen Rat, seine Stärken und Schwächen zu kennen, weil man danach in Bewerbungsgesprächen garantiert gefragt werden würde. Eine Sache, die mein Hirn neben Süßem aber auch gut findet: Humor. Und auch damit konnte er dienen. Er beendete den Workshop mit einem Video von Eckart von Hirschhausen.



Vielleicht hätte der den Workshop leiten sollen, mit seinem Pinguin. Zwangsläufig fragte ich mich danach natürlich, ob ich auch ein Pinguin in der Wüste bin, der einfach noch unförmig watschelnd versucht sein Element zu finden. War ja nicht das erste Mal, dass ich mir diese Frage stellte, wenn auch noch nie aus Sicht eines Pinguins. Erst schloss ich ein kreatives Studium aus, dann einen kreativen Studienfachwechsel, letztendlich werde ich wohl auch einen kreativen Job ausschließen und trotzdem wird es immer etwas sein, was mich nicht loslässt, dieses Schreiben und Malen. Aber irgendwie kann ja auch jeder schreiben und malen und seit einigen Jahren auch professionell fotografieren, da braucht man doch beruflich etwas mit dem man wirklich Geld bedienen kann, oder? Wenn ich darüber nachdenke, wie ich hier gelandet bin, war Informatik nie der erste Gedanke, aber immer irgendwie ein mitreisendes Planschbecken für meinen inneren Pinguin. In das ich dann vor nun fünf Jahren auch endlich mal umgezogen bin, nachdem der Versuch zu fliegen dann mit dem Bauch im heißen Sand endete. Ein Pinguin in einem Planschbecken wirkt immer noch nicht wirklich grazil, aber immerhin Wasser unter den Füßen. Jetzt arbeite ich daran mein Planschbecken mit Wasser zu füllen. Meine kreative Insel hat ja darin bestimmt auch noch irgendwie Platz. Na ja, auf jeden Fall war der Karrieretag in dieser Form mal eben nichts und es drängte sich mir mal wieder der Gedanke auf, dass sowieso niemand wirklich weiß, was für einen richtig ist, weil nun mal jeder anders über den richtigen Lebensweg denkt und bei einem Job ja nicht nur die fachliche Seite stimmen muss, sondern auch das Menschliche oder vor allem das Menschliche. Denn Fachliches kann man schnell lernen, soziale Kompetenzen sind schwieriger zu erlangen. Und da passt es entweder oder eben nicht.

Was mich zum Institut bringt, in dem ich meine Masterarbeit schreibe. Denn das find ich bis jetzt ziemlich genial und das nicht nur, weil es in den Frühbesprechungen donnerstags immer Kuchen gibt. Es macht Spaß, im Institut zu arbeiten. Und auch wenn ich es früher immer lustig fand, dass ganze Institute zusammen Mittagessen gegangen sind, hat dieses Herden-Mittagessen was für sich. Und zufriedene und satte Herdentiere sind fleißige Herdentiere. Kurz gesagt, es läuft rund mit meiner Masterarbeit und mit dem Rest auch. Passt ja auch irgendwie zur EM gerade, genau wie der Kuchen diesen Donnerstag in der Frühbesprechung. Jemand hatte sich die Mühe gemacht, gleich drei Kuchen zu backen (bei gut vierzig Menschen im Institut auch nicht zu wenig) und jeden anders zu gestalten; einen mit Deutschlandflagge, einen als Fußball getarnt und – mein persönliches Highlight – einen als Spielfeld mit orangen Oranje-Bärchen und weißen Deutschland-Bärchen.


Gestern (Freitag) war dann noch Sommerfest der Fachhochschule, für das mein Institut dann auch eine Mannschaft fürs Live-Kicker-Turnier aufgestellt hatte. Fußball? Konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen! Ein bisschen Jubeln und Mitfiebern und in den Spielpausen Fußball-Jonglage und im Kreis passen. Ich vermisse dieses Rumdaddeln.

Im Auto auf dem Weg nach Hause zu den Eltern spür ich wieder dieses Klopfen in der Brust, dieses Kribbeln im Bauch und dieses Brennen in den Beinen. Und wieder denke ich, ich bin viel zu euphorisch. Jetzt joggen mit viel zu lauter Musik auf den Ohren, sowas wie „Wonderwall – Oasis“. Kopf aus, Beine an. Vielleicht ist es genau das, was ich so an den Ballsportarten liebe, Sinne schärfen auf den eigenen Körper, die Mitspieler und Gegenspieler; Geist aus, Gefühl an und einfach mal treiben lassen. Zuhause angekommen, erwarten uns unsere Mutter und eine große Schale voll mit frischen Erdbeeren aus dem eigenen Garten. Grandios, weil sie im Gegensatz zu den Massen-Erdbeeren noch herrlich weich und saftig sind und vor allem den vollen Geschmack der Erdbeere haben und dann dieser Duft, so intensiv, süß und echt. Das Kribbeln im Bauch verebbt, es fängt an zu regnen und der Regen fällt kerzengerade. Es ist ruhig hier. So ruhig wie selten in Lübeck.

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