Und wer fragt die Kinder?
Zwischen Schulbank und Feierabend der Eltern, da bleibt für die, die keine Großeltern haben, die auf sie aufpassen, keine älteren Geschwister, die mit ihnen Hausaufgaben machen, meistens nur der Hort oder gerade der Hort. Denn dort können sie nicht nur Zeit mit ihren Freunden verbringen und kleine Abenteuer und Feiern erleben, dort kümmern sich auch Menschen teilweise aufopfernd um sie, passen auf, dass die Hausaufgaben gemacht werden, helfen dabei, beantworten schier unlösbare Fragen wie: „Gibt es blaue Frösche?“ und nähen Puppenkleider für nackte Puppen, die irgendwo übrig geblieben dem Hort zu Gute kommen.
Viele stellen sich einen solchen Menschen als Frau mittleren Alters mit gemütlicher Figur und bereits erkennbar werdendem gutmütterlichem Alte-Lady-Scharm vor. Da will eine junge, moderne Frau auf dem Stand neuster Erziehungstechnik und mit mobiler Internetanbindung nicht so recht ins Bild passen. Es gibt so viele Blickwinkel aus denen diese junge Frau betrachtet werden kann.
Nehmen wir zunächst den Blickwinkel der jungen Frau: Morgen steht Basteln auf dem Programm und die Kinder wollen so gern Giraffen falten. Der Hort hat kein Geld für einen eigenen PC, geschweige denn einen Drucker, ja nicht einmal Bastelbücher, aus denen die junge Frau die Vorlagen nehmen kann. Niemand wirft es dem Hort vor, die öffentlichen Zuschüsse sind knapp, die Elternbeiträge niedrig genug, um allen Kindern den Hort zu ermöglichen, und hoch genug, um sich über Wasser zu halten. Die junge Frau improvisiert. Es gibt kaum noch Menschen unter 30, die kein Smart-Phone besitzen. Fluch und Segen zu gleich. Sie zieht sich die Vorlagen für Giraffe und Co auf ihr Smart-Phone, faltet die Tiere schon einmal vor, um am nächsten Tag den Kindern zeigen zu können wie es geht. Die Anleitung wird sie trotzdem noch brauchen. Am nächsten Tagen nach den Hausaufgaben liegt ihr Smart-Phone vor ihr auf dem Platz, sie kann den Kindern helfen und die freuen sich über ihre Giraffen und Löwen und Pinguine.
Am Abend werden die Kinder abgeholt. Eine Momentaufnahme, ein kurzer Einblick in das Tun einer anderen Person, einer Person, der man seine Kinder anvertraut. Der Blickwinkel einer Mutter. Sie sieht eine junge Frau, kaum älter als 20, eine dieser modernen Frauen und sie sieht das Smart-Phone. Sie ist ja fast noch selbst ein Kind, mag sie denken, ein Kind, das den ganzen Tag vor seinem Handy sitzt, wie so viele. Sie weiß nicht, dass dort die Vorlage für die Giraffe, die sich nun in der Hand ihrer kleinen dem Baby-Speck noch immer nicht ganz entwachsenen Tochter befindet, vor dieser Person liegt, aber sie weiß, dass man damit SMS schreiben kann. Sie wird die junge Frau im Auge behalten. Denn immerhin vertraut sie ihr ihr Kind an. Sie wird Indizien sammeln.
Aus vermeintlichen Indizien werden Anklagen, erst hinter vorgehaltener Hand, dann immer lauter. Die junge Frau macht das, wofür sie eingestellt wurde und noch etwas mehr, denn sie liebt Kinder, ihre ehrlichen Emotionen und ihre weltoffene Neugierde. Sie will allen Fragen der Kinder eine Antwort verpassen und auch den blauen Frosch findet sie auf ihrem Smart-Phone und kann ihn den Kindern zeigen. Heute häkelt sie ein Kleidchen, damit die Kinder nicht mit nackten Puppen spielen müssen. Der Hort hat kein Geld für Puppenkleider, aber sie sind froh, dass sie wenigsten die Puppen bekommen haben. Die vermeintlichen Indizien häufen sich, die junge Frau scheint nichts anderes zu machen, als zu Stricken und mit ihrem Handy zu spielen.
Die junge Frau sucht das Gespräch. Ihre Chefin delegiert Unangenehmes gern nach unten. Das Essensgeld fehlt. Die Mittel des Horts reichen nicht aus, Kinder unentgeltlich durchzufüttern, der Hortplatz müsste gestrichen werden. Der Geduldsfaden der Mutter reißt. Sie wird Krieg führen, für ihr Kind und für ihr hart erarbeitetes und in den Hort investiertes Geld. Der Eltern-Informationsabend wird zum Fiasko. Die junge Frau darf an diesen Veranstaltungen nicht teilnehmen, sie ist schließlich nur Lehrmittel-Inventar. Aber ihre Chefin ist da. Ihre Chefin delegiert gern Schuld nach unten. Ihre Chefin verspricht den Eltern das Problem zu lösen. Ihre Chefin denkt, ohne Subventionen kann sie sich die junge Frau sowieso nicht mehr leisten. Ihre Chefin wird handeln. Ihre Chefin braucht die Subventionen, denn der Hort hat kein Geld, aber sie braucht diese junge Frau nicht. Die junge Frau muss nur irgendwie von selbst kündigen, dann kann die Chefin ihr Handeln nach außen delegieren.
Die junge Frau weiß noch nichts von ihrem Glück, denn die junge Frau sieht zufriedene kleine Gesichter mit den Puppen spielen und fleißig Hausaufgaben machen. Die junge Frau freut sich auf den nächsten Tag mit ihren kleinen, frechen Schützlingen. Die Chefin delegiert Verantwortlichkeiten und rezitiert Anklagen. Sie delegiert gern, denn wer delegieren kann, braucht nichts zu fürchten. Nur gerechtfertigt ist es nicht. Nur sozial ist es nicht. Aber wer erwartet schon Menschlichkeit in einem Hort? Wer erwartet Verständnis und wache Auffassungsgabe von gestressten Eltern? Wer fragt schon Kinder? Wen interessieren schon Kinder, wenn es hier doch eigentlich nur ums Geld geht?
Viele stellen sich einen solchen Menschen als Frau mittleren Alters mit gemütlicher Figur und bereits erkennbar werdendem gutmütterlichem Alte-Lady-Scharm vor. Da will eine junge, moderne Frau auf dem Stand neuster Erziehungstechnik und mit mobiler Internetanbindung nicht so recht ins Bild passen. Es gibt so viele Blickwinkel aus denen diese junge Frau betrachtet werden kann.
Nehmen wir zunächst den Blickwinkel der jungen Frau: Morgen steht Basteln auf dem Programm und die Kinder wollen so gern Giraffen falten. Der Hort hat kein Geld für einen eigenen PC, geschweige denn einen Drucker, ja nicht einmal Bastelbücher, aus denen die junge Frau die Vorlagen nehmen kann. Niemand wirft es dem Hort vor, die öffentlichen Zuschüsse sind knapp, die Elternbeiträge niedrig genug, um allen Kindern den Hort zu ermöglichen, und hoch genug, um sich über Wasser zu halten. Die junge Frau improvisiert. Es gibt kaum noch Menschen unter 30, die kein Smart-Phone besitzen. Fluch und Segen zu gleich. Sie zieht sich die Vorlagen für Giraffe und Co auf ihr Smart-Phone, faltet die Tiere schon einmal vor, um am nächsten Tag den Kindern zeigen zu können wie es geht. Die Anleitung wird sie trotzdem noch brauchen. Am nächsten Tagen nach den Hausaufgaben liegt ihr Smart-Phone vor ihr auf dem Platz, sie kann den Kindern helfen und die freuen sich über ihre Giraffen und Löwen und Pinguine.
Am Abend werden die Kinder abgeholt. Eine Momentaufnahme, ein kurzer Einblick in das Tun einer anderen Person, einer Person, der man seine Kinder anvertraut. Der Blickwinkel einer Mutter. Sie sieht eine junge Frau, kaum älter als 20, eine dieser modernen Frauen und sie sieht das Smart-Phone. Sie ist ja fast noch selbst ein Kind, mag sie denken, ein Kind, das den ganzen Tag vor seinem Handy sitzt, wie so viele. Sie weiß nicht, dass dort die Vorlage für die Giraffe, die sich nun in der Hand ihrer kleinen dem Baby-Speck noch immer nicht ganz entwachsenen Tochter befindet, vor dieser Person liegt, aber sie weiß, dass man damit SMS schreiben kann. Sie wird die junge Frau im Auge behalten. Denn immerhin vertraut sie ihr ihr Kind an. Sie wird Indizien sammeln.
Aus vermeintlichen Indizien werden Anklagen, erst hinter vorgehaltener Hand, dann immer lauter. Die junge Frau macht das, wofür sie eingestellt wurde und noch etwas mehr, denn sie liebt Kinder, ihre ehrlichen Emotionen und ihre weltoffene Neugierde. Sie will allen Fragen der Kinder eine Antwort verpassen und auch den blauen Frosch findet sie auf ihrem Smart-Phone und kann ihn den Kindern zeigen. Heute häkelt sie ein Kleidchen, damit die Kinder nicht mit nackten Puppen spielen müssen. Der Hort hat kein Geld für Puppenkleider, aber sie sind froh, dass sie wenigsten die Puppen bekommen haben. Die vermeintlichen Indizien häufen sich, die junge Frau scheint nichts anderes zu machen, als zu Stricken und mit ihrem Handy zu spielen.
Die junge Frau sucht das Gespräch. Ihre Chefin delegiert Unangenehmes gern nach unten. Das Essensgeld fehlt. Die Mittel des Horts reichen nicht aus, Kinder unentgeltlich durchzufüttern, der Hortplatz müsste gestrichen werden. Der Geduldsfaden der Mutter reißt. Sie wird Krieg führen, für ihr Kind und für ihr hart erarbeitetes und in den Hort investiertes Geld. Der Eltern-Informationsabend wird zum Fiasko. Die junge Frau darf an diesen Veranstaltungen nicht teilnehmen, sie ist schließlich nur Lehrmittel-Inventar. Aber ihre Chefin ist da. Ihre Chefin delegiert gern Schuld nach unten. Ihre Chefin verspricht den Eltern das Problem zu lösen. Ihre Chefin denkt, ohne Subventionen kann sie sich die junge Frau sowieso nicht mehr leisten. Ihre Chefin wird handeln. Ihre Chefin braucht die Subventionen, denn der Hort hat kein Geld, aber sie braucht diese junge Frau nicht. Die junge Frau muss nur irgendwie von selbst kündigen, dann kann die Chefin ihr Handeln nach außen delegieren.
Die junge Frau weiß noch nichts von ihrem Glück, denn die junge Frau sieht zufriedene kleine Gesichter mit den Puppen spielen und fleißig Hausaufgaben machen. Die junge Frau freut sich auf den nächsten Tag mit ihren kleinen, frechen Schützlingen. Die Chefin delegiert Verantwortlichkeiten und rezitiert Anklagen. Sie delegiert gern, denn wer delegieren kann, braucht nichts zu fürchten. Nur gerechtfertigt ist es nicht. Nur sozial ist es nicht. Aber wer erwartet schon Menschlichkeit in einem Hort? Wer erwartet Verständnis und wache Auffassungsgabe von gestressten Eltern? Wer fragt schon Kinder? Wen interessieren schon Kinder, wenn es hier doch eigentlich nur ums Geld geht?
Kommentare
Kommentar veröffentlichen